Tipps: Albanien zum Lesen, Hören, Sehen und Genießen
Ein Licht zwischen den Wolken, Filmdrama von Regisseur Robert Budina. Als der Ziegenhirte Besnik in seinem albanischen Bergdorf, in dem Muslime und Katholiken zusammenleben, unter dem Putz der Moschee ein Christusbild entdeckt, gerät der Dorffrieden in Gefahr.

Die Bewohner erfahren: Das Gebäude war bis 1470 ein katholisches Gotteshaus und unter der türkischen Herrschaft sogar doppelt genutzt, von Moslems wie von Katholiken! Der einfache Hirte wird zum Vermittler, nicht nur in seiner multireligiösen Familie, sondern auch im ganzen Dorf. Als gläubiger Muslim setzt er sich dafür ein, das Gotteshaus für beide Religionen zu öffnen. Albanien 2018, 84 Minuten, z. B. bei Amazon prime.
Frei: Erwachsenwerden am Ende der Geschichte. Von Lea Ypi. Die fesselnde Autobiografie erzählt die Kindheit und Jugend der Autorin im kommunistischen Albanien und nach dem Zusammenbruch des Regimes (1980er-Jahre bis 1997). Lea wächst in einer gebildeten, aber politisch andersdenkenden Familie auf.

Trotz vieler Verbote und Verzichte aufgrund des Systems erlebt sie eine glückliche Kindheit. Ihre Eltern führen ein Doppelleben, um den staatlichen Repressionen zu entgehen. Das Ende des Kommunismus 1991 bringt die von vielen Menschen erhoffte Freiheit, die sich im Alltag aber oft in Form von Arbeitslosigkeit, Anarchie und Auswanderungswellen zeigt. Lea beginnt sich zu fragen, was das eigentlich ist: Freiheit. Suhrkamp Verlag, 2023.
Die Erweiterung, politischer Roman von Robert Menasse. Mateusz und Adam kämpfen im polnischen Untergrund gegen das kommunistische Regime und schwören sich „Blutsbrüderschaft“. Nach dessen Zusammenbruch trennen sich ihre Wege. Mateusz macht politische Karriere und steigt bis zum polnischen Ministerpräsidenten auf, während Adam in der Europäischen Kommission in Brüssel arbeitet.

Der Streit um Albaniens angestrebten EU-Beitritt macht aus den früheren Freunden erbitterte Feinde. Der Roman entführt den Leser in die albanische Hauptstadt Tirana und ins nordalbanische Bergland, porträtiert den albanischen Ministerpräsidenten Edi Rama bissig als Zoti Kryeministër (ZK) und begleitet Staatenlenker aus ganz Europa auf das fiktive albanische Kreuzfahrtschiff „SS Skanderbeg“, wo es während einer inoffiziellen Balkankonferenz zu einem dramatischen Showdown kommt. Suhrkamp TB 2023.
Chronik in Stein: Roman von Ismail Kadare. Die Geschichte spielt in der alten Stadt Gjirokastra im Süden Albaniens während des Zweiten Weltkrieges. Sie wird aus der naiven Perspektive eines kleinen Jungen erzählt, dessen Welt aus den Fugen gerät: Er erlebt Luftangriffe, Kriegsschrecken und wechselnde Besatzungsmächte (Italiener, Griechen und Deutsche) hautnah mit.

Das Kind bleibt bewusst anonym, denn es steht stellvertretend für eine ganze Kriegsgeneration. Beim Fischer Verlag heißt es: „Auch wenn Ismail Kadare sich vermutlich gegen eine allzu leichtfertige autobiografische Vereinnahmung sträuben würde, ist ‚Chronik in Stein‘ doch nicht nur das kunstvolle Porträt seiner Heimatstadt Gjirokastra, sondern auch der Roman einer Kindheit, in dem sich Weltgeschichte, alte Mythen und kindliches Begreifen auf wundersame Weise vermischen.“ Fischer Taschenbuch, 2012.