Fakten & Highlights

Geografie, Geschichte, Klima und mehr: Die wichtigsten Fakten zu Sardinien auf einen Blick – und sechs Highlights, die man unbedingt gesehen haben muss.

Fakten & Highlights

Geografie

Sardinien ist mit 24.100 km² nach Sizilien die zweitgrößte Insel im Mittelmeer. Damit ist sie etwas größer als Mecklenburg-Vorpommern.

Sie gehört zu Italien und liegt westlich des italienischen Festlands und südlich von Korsika.

Die Küste ist etwa 1850 km lang. Es gibt Abschnitte mit spektakulären Klippen und wunderschönen Sandstränden, darunter La Pelosa oder die Costa Rei.

Die an der Südküste direkt am Meer liegende Hauptstadt Cagliari ist mit ca. 146.000 Einwohnern die größte Stadt der Insel.

Weitere bekannte Städte sind Sassari (ca. 120.000), Quartu Sant’Elena (ca. 68.000), Olbia (ca. 62.000), Alghero (ca. 42.000), Nuoro (ca. 33.000) und Oristano (ca. 30.000).

Höchster Berg ist Punta La Marmora (1834 m) im Gennargentu-Massiv, das auch als „Dach Sardiniens“ bezeichnet wird.

Der längste Fluss ist mit 150 km der Tirso. Er entspringt im Gennargentu-Gebirge und mündet in den Golf von Oristano. Er speist mehrere große Stauseen, unter anderem den Lago Omodeo, und ist von großer Bedeutung für die Landwirtschaft und Trinkwasserversorgung.

Zu Sardinien gehört das La-Maddalena-Archipel mit über 60 Inseln, das ein Nationalpark mit geschützten Meereszonen ist.

Zu den wichtigsten Lebensräumen für Meerestiere zählen die Seegraswiesen (Posidonia oceanica) rund um Sardinien. Sie sind auch ein wichtiger CO₂-Speicher und Küstenschutz.

Das Klima ist mediterran, mit trockenen, heißen Sommern und milden Wintern. Der meist aus Nordwest wehende Mistral bringt klare Luft und oft starken Wellengang.

Gesellschaft

Sardinien hat rund 1,6 Millionen Einwohner.

Die Bevölkerungsdichte ist mit 65 Einwohnern pro km² deutlich geringer als auf dem italienischen Festland. Die meisten Menschen leben an den Küsten, das Inland ist dünn besiedelt.

Die Insel hat eine der ältesten Bevölkerungen Europas. Es gibt in der sogenannten „Blue Zone“ überdurchschnittlich viele über 100-Jährige. Der Begriff „Blue Zone“ stammt von den belgischen Demographen Michel Poulain und Gianni Pes, die auf einer Karte von Sardinien Regionen mit einer außergewöhnlich hohen Anzahl an Hundertjährigen mit blauer Tinte markierten. Später wurde der Begriff auf weitere Gebiete auf der ganzen Welt übertragen.

Die Amtssprache ist Italienisch. Weit verbreitet ist auch Sardisch, eine eigene romanische Sprache mit mehreren Dialekten. In Alghero wird außerdem Katalanisch gesprochen.

99 % der Bevölkerung bekennt sich zum katholischen Glauben. Die Religion ist tief verwurzelt, prägt das tägliche Leben und zeigt sich besonders deutlich bei den unzähligen regionalen Festen und Prozessionen.

Zu den wichtigsten Wirtschaftszweigen zählt der Tourismus. Der Fokus wird vom reinen Badeurlaub auf Wandern, Radfahren sowie auf Kulturreisen ausgeweitet, um ganzjährig Gäste zu gewinnen.

Die Arbeitslosigkeit liegt über dem italienischen Durchschnitt. Vor allem junge Menschen wandern aus ländlichen Regionen ins Ausland oder aufs Festland ab.

Geschichte

Wann genau die Besiedlung Sardiniens beginnt, ist nicht geklärt. Die ältesten Funde von Steinwerkzeugen schätzen Wissenschaftler auf ein Alter von ca. 150.000 Jahren. Die ersten Menschen kommen vermutlich über eine damals bestehende Landbrücke zwischen dem Festland, Elba, Korsika und Sardinien.

Ab 1800 v. Chr. zeugen Steintürme (Nuraghen) von der bronzezeitlichen Nuraghenkultur. Sie kommen ausschließlich auf Sardinien vor. Sie bestehen aus großen, ohne Mörtel geschichteten Steinen und haben im Inneren gewölbte Rundräume. Ihre Funktion ist bis heute nicht eindeutig geklärt. Auf der Insel gibt es über 7000 Nuraghen, die als Wahrzeichen Sardiniens gelten.

Vom 8. bis 3. Jahrhundert v. Chr. prägen die Phönizier und Karthager die Wirtschaft und Kultur an der Küste. Caralis (Cagliari), Nora und Tharros werden zu wichtigen Handelsplätzen.

Während Sardinien zum Römischen Imperium gehört (238 v. Chr. bis 476 n. Chr.), werden Straßen und Städte gebaut und die lateinische Sprache eingeführt.

Im Mittelalter gerät Sardinien für kurze Zeit unter die Herrschaft der Vandalen, danach wird die Insel Teil des Byzantinischen Reiches.

Ab dem 9. Jahrhundert entstehen sogenannte „Judikate“: vier sardische Fürstentümer mit eigener Rechtsordnung.

Die Seemächte Pisa und Genua kämpfen vom 12. bis 14. Jahrhundert um Einfluss auf Sardinien. In dieser Zeit entstehen u. a. Kirchen im pisanischen Stil sowie Burgen. Das Castello dei Doria wurde zum Beispiel im 12. Jahrhundert von der genuesischen Familie Doria erbaut.

Vom 14. bis 18. Jahrhundert ist Sardinien Teil der Krone von Aragon, später Spaniens. Der katalanische Einfluss ist bis heute in Alghero spürbar.

Ab 1720 gehört Sardinien zu Savoyen mit Turin als Verwaltungssitz.

1861 wird die Insel Teil des Königreichs Italien.

1948 erhält Sardinien als eine von fünf Regionen Italiens einen besonderen Autonomiestatus. Das beeinflusst u. a. die Schulpolitik, Kulturförderung und den Schutz regionaler Besonderheiten.

Die Forderung nach mehr Selbstverwaltung bleibt bis heute ein politisches Thema.

 Gut zu wissen

Das Netz öffentlicher Verkehrsmittel vor allem im Landesinneren ist nicht besonders gut ausgebaut. Für Ausflüge dorthin sollte man sich einer Reisegruppe anschließen oder ein Auto mieten.

Viele Badebuchten liegen in Schutzgebieten. Ankern, Rauchen oder das Mitnehmen von Sand ist verboten und wird kontrolliert.

Während der Sommermonate herrscht ein striktes Feuerverbot wegen hoher Waldbrandgefahr.

Der Mistral kann stark wehen. Das ist ideal für Surfer, sorgt aber manchmal selbst im Sommer für frische Temperaturen.

Restaurants öffnen oft erst gegen 19.30 Uhr. Die sogenannte „siesta“ (Mittagspause) ist üblich.

Kartenzahlung ist weit verbreitet, aber in abgelegenen Dörfern wird manchmal noch Bargeld bevorzugt.

Die Sarden sprechen eher selten Fremdsprachen. An touristischen Orten wie der Costa Smeralda wird jedoch Englisch meist gut verstanden.

Highlights

Cagliari
Die Hauptstadt Sardiniens liegt am Südende der Insel zwischen Meer, Lagunen und Hügeln. Der kilometerlange Stadtstrand Poetto ist Magnet für Einheimische und Gäste gleichermaßen. Das historische Zentrum Castello thront auf einem Kalksteinrücken und bietet weite Blicke über den Golf von Cagliari.

Zu den wichtigsten Sehenswürdigkeiten gehören die Kathedrale Santa Maria, die Bastione di Saint Remy, die mittelalterlichen Türme Torre dell’Elefante und Torre di San Pancrazio sowie das Museo Archeologico Nazionale. Ein schöner Kontrast zur urbanen Kulisse: das nahegelegene Naturreservat mit den Salzseen von Molentargius, in denen Flamingos brüten.

Alghero
Das Städtchen an der Nordwestküste Sardiniens trägt auch den Spitznamen „Klein-Barcelona“ wegen seiner katalanischen Vergangenheit. In der von einer Stadtmauer umgebenen Altstadt mit engen Gassen, gotischen Kirchen und Plätzen wird bis heute ein Dialekt aus dieser Zeit gesprochen.

In den zahlreichen Restaurants am Hafen gibt es regionale Fischspezialitäten, darunter „aragosta alla catalana“, Hummer nach katalanischer Art. Eine Top-Attraktion für Touristen ist die Bootstour zur nahegelegenen Neptungrotte. Die bekannteste Tropfsteinhöhle Sardiniens liegt spektakulär am Fuß der Steilklippen von Capo Caccia.

Bosa
Pastellfarbene Häuser in Gelb-, Blau- und Rottönen schmiegen sich an den Hang unterhalb des Castello Malaspina und machen die Kleinstadt zum farbenfrohsten Ort Sardiniens. Ein Spaziergang durch die Altstadt „Sa Costa“ mit ihren verwinkelten Gassen, steilen Treppen und hübschen Innenhöfen ist unvergesslich.

Am Ufer des Temo liegen die traditionellen Werkstätten der Gerber, die Concerie. Sie wurden restauriert und zeigen, wie Leder vom 17. bis 20. Jahrhundert in Steinbecken und Trockenräumen verarbeitet wurde. Immer eine Fahrt wert: die spektakuläre Panoramastraße nach Alghero.

Golfo di Orosei
Der Golfo di Orosei an der Ostküste Sardiniens gehört zu den eindrucksvollsten Küstenabschnitten des Mittelmeers. Zwischen steilen Kalksteinfelsen liegen einsame Buchten mit glasklarem Wasser, weißem Kies oder feinem Sand, die meist nur per Boot oder über anspruchsvolle Wanderwege erreichbar sind.

Zu den bekanntesten zählen Cala Goloritzè, Cala Luna oder Cala Mariolu. Das Gebiet gehört zum Nationalpark Gennargentu. Der Golf eignet sich ideal für Naturwanderungen, Klettertouren und Schnorcheln.

Supramonte-Gebirge mit Gorropu-Schlucht
Das wilde Kalksteinmassiv des Supramonte zählt zu den ursprünglichsten Landschaften der Insel. Schroffe Felswände, ausgedehnte Karstplateaus und dichte Steineichenwälder prägen das Gebiet. Viele Bereiche sind nur zu Fuß erreichbar und bieten ein echtes Naturerlebnis fernab des Massentourismus.

Eine der Hauptattraktionen ist die Gorropu-Schlucht, oft als „Grand Canyon Sardiniens“ bezeichnet. Mit bis zu 500 Meter hohen Felswänden gehört sie zu den tiefsten Schluchten Europas. Der Weg dorthin führt über gut markierte, aber teils anspruchsvolle Pfade.

Nuraghe von Barumini
Die Nuraghe von Barumini, auch Su Nuraxi genannt, ist das bekannteste prähistorische Relikt Sardiniens, etwa 3500 bis 3600 Jahre alt und seit 1997 UNESCO-Welterbe. Es liegt im Süden der Insel nahe dem Ort Barumini und gilt als das am besten erhaltene Beispiel der Nuraghenkultur.

Die Anlage besteht aus einem zentralen Turm aus der Bronzezeit und mehreren später erbauten Rundtürmen, die durch Mauern und Innenhöfe verbunden sind. Ein Rundgang führt durch enge Gänge, Innenräume und auf Aussichtspunkte mit Blick über die Hochebene.